Du profitierst ohne es zu wissen schon vielfältig von Genossenschaften und nach diesem Artikel kannst du sie noch besser für dich nutzen.
Die meisten GründerInnen scheitern an fehlender Erfahrung, Schwierigkeiten das eigene Team zu leiten, Kunden und Investoren zu überzeugen. Da können dir Genossenschaften auf erstaunlich einfach Art helfen.
Viele Gründende haben erst mal eine Idee, wie man ein konkretes Problem lösen kann, damit Geld zu verdienen ist ein notwendiger und erwünschter Zusatz. Genossenschaften müsse wie jede andere Firma auch Geld verdienen, aber sie können dabei helfen den Fokus auf der Problemlösung zu behalten.
Zwischen den widerstreitenden Interessen von Kunden, Investoren und Mitarbeitenden reibt sich so manche junge Firma auf. Da ist es hilfreich, wenn sich diese Gruppen und ihre Bedürfnisse überlappen. Wenn Kunden auch Investoren, oder Investoren auch Mitarbeitende sind. Das ist häufig bei Business Angels, strategischen Investoren und eben auch Genossenschaften der Fall ist.
Alle Welt redet davon, dass Angestellte sich unternehmerischer Verhalten sollen und es gibt Bücher über Bücher, die GründerInnen und Führungskräften dabei Helfen sollen Angestellt zu unternehmerischerem Denken und Handeln zu motivieren.
Dabei wird gewöhnlich ausgeklammert, dass Mitarbeiter dann als Unternehmer handeln, wenn man sie zu Mitunternehmern macht. Das kann über Beteiligungen geschehen, aber auch und noch stärker über eine klassische Genossenschaft.
Gerade am Anfang und in der Skalierung sind Gründende auf Infrastruktur angewiesen, die sie alleine für ihr Unternehmen nicht bereitstellen können. Auch hier bieten Genossenschaften im Zusammenschluss Lösungen. Bei der Gründung einer solchen Service-Genossenschaft besitzen Menschen, die bereits ihre eigene Firma gegründet und geführt haben den Vorteil der Erfahrung.
Nicht zuletzt können Genossenschaften verhindern, dass für Investitionen dringend benötigte Gelder unnötig aus dem Ökosystem abfließen.
Ich behaupte also: dass Genossenschaften dafür sorgen, dass mehr Geld für Investitionen lokal verfügbar ist, dass sie dir dabei helfen Erfahrung im Unternehmertum zu sammeln, dir erlauben den Fokus stärker auf deine Problemlösung zu setzen. Weiter behaupte ich, dass dass Genossenschaften deine Mitarbeitenden motivieren können und die Interessen deiner Kunden Investoren und Mitarbeiter in Einklang bringen können, dir beim Skalieren helfen und dabei helfen deine Vision in die Zukunft zu tragen.
Warum also sollten wir nicht einfach alle Genossenschaften gründen?
Der schönste Grund keine Genossenschaft zu gründen ist der, dass es schon so viele großartige Genossenschaften gibt, denen man sich anschließen kann.
Genossenschaften haben auch echte Einschränkungen und Schwächen. Sie sind scheiße für Exits (das ist halb gelogen aber dazu später mehr), bei klassischen Investoren eher unbeliebt, als demokratische Unternehmen müssen Ideen eine Mehrheit der Stakeholder überzeugen und die Mitsprache im Unternehmen ist eine zusätzliche Aufgabe.
Wie helfen Genossenschaft dir dabei Erfahrung als Unternehmer zu sammeln?
Du hast sicher schon darüber nachgedacht in ein Unternehmen zu investieren. Vielleicht Aktien, vielleicht das StartUp eines Freundes. Dabei hast du das Risiko abgeschätzt und die erwartete Rendite. Wenn es nicht gerade um deine eigene Gründung ging hast du dir sicher eher wenig Gedanken darüber gemacht, wie du das Unternehmen mit deinen Anteilen beeinflussen kannst, weil es einfach unrealistisch ist zu denken, dass du mit deinem mickrigen Aktienportfolio irgendwas am Kurs von Amazon oder auch nur Telekom änderst. Bei einer Genossenschaft ist das anders und daraus erklärt sich, wie du hier Erfahrungen sammeln kannst, warum es deine Mitarbeitenden motiviert und unternehmerischer macht und warum größere Investoren wenig Interesse daran haben.
In Genossenschaften gilt, ein Mitglied, eine Stimme. Egal wie viele Anteile du hast, egal wie viele Anteile jemand Anderes hat. Es ist immer eine Stimme. Mindestens ein Mal im Jahr lädt der Vorstand zur Generalversammlung ein. Hier kannst du Anträge einbringen, bekommst einen Bericht über das letzte Geschäftsjahr stimmst ab ob du die Entscheidungen des Vorstandes und Aufsichtsrates billigen willst und wählst für frei werdende Posten oder Kandidierst sogar selbst.
Die erste Konfrontation mit einer Bilanz sollte nicht der Moment sein, in dem man sie als GmbH-Vorstand selbst erstellen, oder in völliger Unkenntnis hoffen muss, dass der Steuerberater alles richtig gemacht hat.
Das erste Mal, die Richtung eines Unternehmens beeinflussen sollte nicht sein, wenn du in deinem StartUp und das du alles investiert hast alle Entscheidungen selbst treffen und verantworten musst.
Und das erste Mal, dass du ein Team anleitest sollte nicht von deiner sich noch entwickelnden Führungskompetenz abhängig sein.
Dich in einer Genossenschaft zu engagieren kann eine Möglichkeit sein schrittweise reales Unternehmertum zu lernen, trotzdem sind das Firmen, die nicht darauf warten, dass du dich dort einmischst und von ihnen lernst, sondern vor allem ihre eigene Arbeit zu machen haben. Wie ein saarländischer Genossenschaftsvorstand zu sagen pflegt: „Wir leben alle nur vom Erfolg.“ Und genau deswegen ist die Erfahrung die ihr dort sammeln könnt so wertvoll. Das ist nicht das Studium, wo du eine Prüfung wiederholen kannst, kein Konzern, wo die nächste Ebene deine Empfehlungen verwerfen kann, deine Stimme zählt, nicht allein, aber mit allen Konsequenzen.
Dann gibt es die Situation, dass du eine Idee hast, ein Problem, das du lösen willst. Und dir wird klar, dafür muss ich was neues gründen.
Und du fragst dich, wer sind meine Stakeholder, wer profitiert davon, dass ich das löse und kann ich eher Investoren davon überzeugen, die denken das kann man skalieren und Gewinn mit machen, oder kann ich eher die Leute vor Ort und um mich herum davon überzeugen, die direkt von der Lösung profitieren?
Ist mir wichtig, dass es meins ist und bleibt? Kann ich meine Idee so erklären, dass sie Demokratie überlebt, oder lebe ich davon dass Andere es noch nicht verstehen?
Will ich einen Exit machen? Oder sehe ich mich als Beschützer und Gärtner einer Idee, die über mich hinauswachsen soll? Oder ist es nur ein Werkzeug, dass ich mit Anderen gemeinsam nutze um das aufzubauen was ich eigentlich machen will?
Genossenschaften sind dann eine gute Form für deine Gründung, wenn du die Menschen als Investoren haben willst, die direkt von deiner Idee profitieren, wenn du deine Mitarbeitenden stärker beteiligen willst und wenn du entweder ein Werkzeug für deine Idee mit anderen gemeinsam schaffen und nutzen willst, oder wenn es dein Ziel ist, dass deine Idee über dich hinauswächst.
Während dein Unternehmen wächst braucht es Infrastruktur, die du nicht selbst bereitstellen kannst und mit der du dich auch nicht belasten solltest. Oft kannst du dafür einen verlässlichen und fairen Zulieferer oder Partner finden. Vielleicht in Form einer Genossenschaft, so ist es mit vielen Bauernhöfen, die Material von Raiffeisengenossenschaften beziehen und auch dort ihre Waren verkaufen. Oder du tust dich mit anderen Geschäften zusammen um gemeinsam einzukaufen, wie die EDEKA Märkte oder ihr Gründet eine Genossenschaft für ein IT-Werkzeug, dass in deiner Branche gebraucht wird, wie DATEV. Ich berate nicht zur steuerlichen Gestaltung von Genossenschaften und darf das auch nicht, aber die Steuerberater wissen warum sie für DATEV die Genossenschaftsform gewählt haben.
Wenn dann dein Unternehmen größer geworden ist und du hast dich gegen einen Exit entschieden und du brauchst einen Weg um deine Mitarbeitenden stärker an das Unternehmen zu binden, oder du willst Verantwortung abgeben und endlich wieder entspannt in Urlaub fahren können, mit dem wissen, dass die Firma den Anderen genauso wichtig ist, wie dir, dann kannst du wieder zu genossenschaftlichen Unternehmensform schauen und überlegen, ob die Mitarbeitenden schrittweise Anteile am Unternehmen übernehmen sollen.
Die demokratische Struktur einer Genossenschaft bedeutet nicht, dass jeder überall mitbestimmen muss, oder, dass man sich als Vorstand überall reinreden lassen muss. Es gibt das ganze Spektrum vom Künstlerkollektiv in dem alles auf einer Ebene per Konsens Entschieden wird, bis zu streng hierarchisch geleiteten Bank. Und vor allem vieles dazwischen, wo die Strukturen das gemeinsame Entscheiden und Verantwortung tragen effektiver und einfacher machen.
Am Ende deiner Karriere als GründerIn willst du wahrscheinlich dein Unternehmen weitergeben, sei es damit deine Vision fortgeführt wird, oder damit du dir deinen Ruhestand finanzieren kannst. Extrem viele andere UnternehmerInnen wollen das auch. Das ist ein Markt auf dem die Käufer die Auswahl haben und das auch wissen. Auch hier kann die Möglichkeit einer Genossenschaft dir helfen. Du kannst anders verhandeln, wenn du weist, dass auch deine Mitarbeitenden die Firma übernehmen können und du musst dich nicht darauf verlassen, dass ein fremder dein Vermächtnis in die Zukunft trägt, wenn du es den Menschen anvertrauen kannst, die es mit dir gemeinsam aufgebaut und über Jahre erfolgreich gemacht haben.
Im Verlauf deines UnternehmerInnen-Lebens gibt es immer wieder Stationen, wo es dir nützlich sein kann dich an Genossenschaften als Option zu erinnern. Bevor du gründest, als Möglichkeit Erfahrung zu sammeln und dich zu engagieren. Bei der Gründung selbst als Unternehmensform und als Zulieferer im Wachstum. Für die Bindung deiner Mitarbeitenden und schließlich für die Fortführung dessen, was du aufgebaut hast.
